Saturday, 13 July 2013

Der 12. Juli



 
Nordirland für Anfänger – Der 12. Juli: Feiertag und Volksfest zugleich

Der 12. Juli ist schon immer für die Protestanten in Nordirland der höchste Feiertag des Jahres. Gefeiert wird die „Glorreiche Revolution“ von 1688, wo in einer Schlacht am Flüsschen Boyne in der Nähe von Dublin der protestantische König Wilhelm von Oranien über den katholischen König Jakob II endgültig siegte (1690). Die Farbe Orange spielt seitdem für die Protestanten auch eine ganz besondere Rolle.
Traditionell gibt es an diesem Tag überall in Nordirland Umzüge der sogenannten „Orange Men“. Das sind Mitglieder der „Orange Orders“ und „Orange Lodges“, die es nach Männern und Frauen getrennt hier in Nordirland durchweg sehr zahlreich gibt. Die älteste dieser Lodges, nämlich die „Grand Orange Lodge of Ireland“, wurde 1798 gegründet. Diese Lodges sind übrigens keine paramilitärischen Organisationen, sondern Vereinigungen streng gläubiger Protestanten. Am Sonntag unmittelbar vor dem 12. Juli finden besondere Gottesdienste statt. Ungeklärt blieb leider meine Frage, ob am 12. Juli bei den Umzügen nur mitmarschieren kann, wer auch an jenem sonntäglichen Gottesdienst teilgenommen hat. Irgendwo hatte ich gelesen, dass diese Orange Lodges nicht viel anders seien als der Fanclub eines Fußballvereins, dessen Anhänger sich in Nostalgie schwelgen.


Die Paraden (es handelt sich dabei um Märsche begleitet von traditionellen Musikkapellen, die nach einzelnen Bezirken arrangiert sind) waren bis zum Ausbruch der „Troubles“ (so wird der Nordirland Konflikt, der von 1963 – 1985 andauerte, im Englischen genannt) ein gesellschaftlich durchaus respektiertes Ereignis, so etwa wie Umzüge von Schützenvereinen in Deutschland. Mir wurde von vielen Menschen hier erklärt, dass man immer sehr gerne zu diesen spektakulären Märschen gegangen ist, um sich die Männer in ihren schwarzen Anzügen mit goldenen Stickereien verzierte, orangene Schärpe über der Brust und schwarze Melone aus Filz auf dem Kopf anzuschauen. Für den normalen Menschen hier waren diese Paraden immer ein Vergnügen, ein Volksfest und in etwa vergleichbar mit Karneval. Es war das Ereignis des Jahres schlechthin und es lohnte sich immer hinzugehen.



Während der Troubles gerieten diese Umzüge dann aber immer mehr in Verruf und stießen bei der katholischen Bevölkerung auch immer mehr auf Empörung und Ablehnung. Der seit Jahrhunderten (friedlich) gefeierte 12. Juli wurde so zum Symbol für Gewalt und konfessionellen Hass.

Bis heute nutzen Splitterorganisationen, die sich mit dem Friedensprozess in Nordirland nicht abfinden können, den 12. Juli für Gewalt und entsprechende Ausschreitungen. Von den Medien für das Sommerloch entsprechend ausgeschmückt, hört man dann nur wieder, dass es in der Hauptstadt Nordirlands, in Belfast, zu brutalen Übergriffen gekommen sei, weil unbelehrbare Protestanten wieder einmal mehr durch Wohngebiete von Katholiken marschiert seien. Kaum einer weiß allerdings über die Hintergründe Bescheid. Belfast ist zum großen Teil wie ein Flickenteppich aus protestantischer und katholischer Wohnbevölkerung zusammengesetzt. Was viele Menschen wohl auch nicht wissen, ist, dass quasi quer durch Belfast eine Mauer verläuft, welche die katholischen und protestantischen Wohnviertel voneinander abgrenzt. Allerdings gibt es auch zahlreiche „gemischte“ Wohnviertel.


Traditionell ist es so, dass die „Orange Men“ aus den einzelnen Wohnbezirken in Belfast am 12. Juli in Gruppen zur zentralen Veranstaltung hin marschieren. Das sind quasi kleinere lokale Paraden auf dem Weg zum großen Umzug. Der Weg einer einzigen dieser kleinen Gruppen führt an einer Geschäftszeile in einem katholischen Wohnbezirk (Ardoyne) in Nord-Belfast vorbei. Es handelt sich dabei um weniger als 300 Meter, an einer Hauptstraße gelegenen Geschäfte (also keine bzw. kaum Wohnhäuser). Eine alternative Marschroute – da sind sich übrigens alle einig! – ist gar nicht möglich. Und genau diese knapp 300 Meter sind jedes Jahr wieder Ursache dafür, dass es in Belfast zu Gewalt und Ausschreitungen kommt. 

 
Am Abend vor dem 12. Juli werden überall "Bonfire" angezündet. 
 
"Orange lilies" dürfen auch nicht fehlen

Eine Parade in voller Länge (über 2 Stunden): 


6 comments:

  1. also wenn man sich deine Bilder so anschaut,sieht es echt nach Strassenfest mit Umzug aus,da ist es schwer vorstellbar das aus solchen Umzügen schon ziemlich heftige Auseinandersetzungen entstanden sind,hoffe du hattest aber einen schönen Tag;)

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  2. Diese Auseinandersetzungen finde ich abartig, wir haben nur einen Gott, warum versteht das niemand? Jedenfalls danke Carmen für die tollen Info´s und Bilder.
    Liebe Grüße und schönes Wochenende
    Astrid

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  3. mich würde ja die Tradition mit dem Feuer interessieren, wo kommt der Brauch her, ist er keltischen Ursprungs (bestimmt, denk ich)
    vielen lieben Dank, Carmen, für diesen schönen Beitrag

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  4. Vielen Dank für deinen Beitrag. Er ist sehr interessant.
    PS: Wenn das deine Lilie auf dem Bild ist (ich hoffe du bist mir jetzt nicht böse), der Pflanztopf ist zu klein.

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  5. Vielen Dank für den sehr informativen Bericht. LG Sabine

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  6. Danke für die Informationen. Besonders diese, dass es nur 300 unbewohnte Meter sind, die zu den heftigen TV-Bildern führen können. Dieses Jahr waren an den Bonfires Plakate mit Köpfen zu sehen (Tagesschau), das sah nicht freundlich aus.
    Als Berlinerin kenne ich aber das Phänomen, dass am 1.Mai die Verwandtschaft anruft und frage, ob wir okay sind, weil in Kreuzberg einige Müllcontainer brennen und 30 000 Polizisten ihren Betriebsausflug in die Hauptstadt mit Aktivität krönen.

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