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Friday, 8 September 2017

Scrabo Tower



 
Zwischen all dem Regen und den Stürmen gab es zwischendurch immer auch mal wieder eine Verschnaufpause, die schnell für einen Spaziergang genutzt wurde. Unser letzter Spaziergang führte uns zum Scrabo Tower und war so erfrischend wie ein ausgiebiges Bad in der Wanne. Es ging ziemlich steil berghoch und nach einigen Minuten oben am Turm angekommen, herrschte nicht nur ein ziemlicher Wind, aber es war auch ein sehr kühler Wind. Allerdings hatte die Frische nach den vielen Regentagen, wo wir das Haus kaum verlassen konnten, sehr gut getan. Oben angelangt wird man übrigens reichlich mit einem wunderbaren Blick rundherum belohnt.


Der Turm, der weithin sichtbar ist, wurde auf einer Anhöhe, die rund 1.645 Meter über dem Meeresspiegel liegt, errichtet und ist 41 Meter hoch.
 
 Erbaut wurde das Wahrzeichen 1857 und zwar auf Vulkangestein im Westen über der Stadt Newtonards. Es war ein Denkmal für Charles Stewart, dem 3. Marquess of Londonderry, einer der Generäle des Dukes of Wellington während der Napoleonischen Kriege. 


 




Die Mauern des Turmes sind über einen Meter dick. Die erforderlichen Steine für den gesamten Turm kamen aus der Gegend von Scrabo (Dolerit und Sandstein).










  
Über dem Eingang auf der Nordseite kann man eine Inschrift auf einer Steinplatte sehen:
Diese lautet:
     Errichtet in Erinnerung an Charles William Vane
     3. Marquis von Londonderry KG und C von seinem Pächter und Freunden
     Ruhm gehört zur Geschichte, Erinnerung zu uns 1857













 Der Name „Scrabo“ stammt aus dem gälischen Wort für „Kuhweide“ ab. Die alte Steinhütte, heute als Toilettenhäuschen benutzt, erinnert noch an die Zeit, als auf dem Gemeinschaftsweideland Rinder am Hang weideten.
Scrabo wurde als Teil der klösterlichen Anwesen der Dominikaner bis zur Auflösung ihrer Klöster betrieben. Im Jahre 1675 wurde es als "Scrabo Hill“ oder "Wilson-Land" bezeichnet.
Ursprünglich muss oben auf der Bergspitze ein großer Steinhaufen gewesen sein, der von einem Wall aus Erde und Steinen umrundet war. Dabei handelte es sich wohl um die längst vergessene Behausung eines Häuptlings der Ards[1]. Als man den Steinhaufen beseitigen wollte, fanden die Arbeiter etwas, das scheinbar seine Grabkammer war – Urnen, verkohlte Knochen und eine irisch-dänische Münze aus dem 12. Jahrhundert.
 

Wer mehr über den Scrabo Tower wissen möchte, kann sich hier informieren:


[1] Ards ist der Name eines Bezirkes in North Down. Die ersten Einwohner sollen sich vor ca. 8000 Jahren in dem Gebiet niedergelassen haben. Zu den Gruppen, welche die Gegend prägten, zählten Kelten, Wikinger, Normanen und St. Patrick.

Thursday, 15 October 2015

Groomsport bei Sonnenschein - Ballymacormick




Während Deutschland mitten im Oktober 2015 von einer Schneedecke überzogen ist, sind wir hier in Nordirland am Schwitzen. Bei herrlichem Herbstwetter, blauer Himmel, Sonnenschein und mindestens 15 Grad warm, haben wir heute ein für uns neues Naturschutzgebiet erforscht.
Das kleine Gebiet Ballymacormick grenzt unmittelbar an das Örtchen Groomsport an (http://carmen-bauer.blogspot.co.uk/2012/09/groomsport.html).



Wenn die Sonne scheint, sieht natürlich alles viel freundlicher aus!






Gestern waren wir schon einmal vor Ort gewesen – da konnten wir zu der kleinen Insel laufen und unseren „Privatstrand“ ganz für uns alleine genießen und die wunderbare Aussicht bestaunen.



  

Doch leider hatte ich meine Kamera nicht dabei gehabt. Heute waren wir bedauerlicherweise zu früh vor Ort. Die Ebbe hatte noch nicht richtig eingesetzt und das Wasser, wenn auch nicht viel, versperrte uns den Weg. Dafür aber hatte ich meine kleine Kamera mitgebracht.
Da wir nicht zu der kleinen Insel laufen konnten, schlugen wir zwangsweise eine andere Richtung ein, die sich landschaftlich als genauso interessant herausstellte.













Und so machten wir uns auf den Weg – im wahrsten Sinne des Wortes!


Obwohl das Areal nicht sehr groß ist, war unser Spaziergang schon irgendwie abenteuerlich, zumal wenn man – wie wir es taten – dann doch nicht auf dem Weg blieb, sondern einfach querfeldein durch Gestrüpp wanderte. 

 Es ging über Stock & Stein, an verblühten Stechginster vorbei, der wie ich sehr schnell spürte, seinen Name zu Recht hat – die Pflanze pikste spürbar durch meine Jeans durch. Die kleinen Felsen hochkrabbelnd wusste man oft nicht, wohin der fast unsichtbare Pfad führte. 



Teilweise war es mir schon etwas mulmig, denn ich dachte daran, dass wir eventuell umkehren müssten, weil das Wasser uns den weiteren Weg versperrte.

Aber wir hatten Glück – die Kraxelei, die an manchen Stellen schon etwas mühsam war, hatte sich rentiert. Und am Ende unseres Rundgangs kamen wir wieder auf unseren ursprünglichen Weg zurück.
 


Nassgeschwitzt aber gut erholt machten wir uns dann nach unserem heutigen abenteuerlichen Rundgang wieder auf den Nachhauseweg. Übrigens vorbei an einer wunderschönen Fuchsienhecke, die hier in Nordirland überall zu sehen sind.


Thursday, 8 October 2015

Whitespots Country Park




Letztens hatten wir wieder so ein Wetter, dass man meinen konnte, die Welt ginge unter. Am Nachmittag brach jedoch zum Glück die dicke graue Wolkendecke ein wenig auf und der Sturm, der hier seit Tagen wütete, war wie von Geisterhand gesteuert plötzlich verschwunden.
Wir beschlossen das Risiko, im Matsch zu versinken, einzugehen und mit den Hunden einen Spaziergang zu machen. Zum Glück haben wir quasi alles, wo man so schön die Seele baumeln lassen kann, bei uns in der Nähe: Berge, Meer, Täler und vieles mehr. Also machten wir uns auf den Weg zu den alten Bleiminen, was heute der „Whitespots Country Park“ in der Nähe des Ortes Conlig ist.

Der von Bäumen völlig überdeckte Weg führte in Schlangenlinie recht steil nach oben. Es war ziemlich düster, da das Wenige an Sonne, das manchmal durch die Baumwipfel schien, nicht bis auf den Weg durchdrang. Ein wenig Bange war mir schon. Nicht nur, weil der Weg so einsam und dunkel war, aber auch, weil der steile Abhang gerne von Gelände-Bikern benutzt wird, um mit ihren Motorrädern da hinunter zu rasen – auch wenn dies strikt verboten ist. Meine Hunde lasse ich aus Sicherheitsgründen deshalb immer angeleint an der langen Leine laufen.
Ich kann mich noch daran erinnern, dass mein Hund Jack sich bei unserem letzten Spaziergang vehement geweigert hatte, auch nur einen Schritt auf dem steinigen und morastischen Weg zu tun. So war es dann auch heute mit unserer Susi. Sie blieb wie angewurzelt stehen. Selbst wenn man sie sanft zog, machte sie keine Anstalten, den sich windenden Weg hochzulaufen. War es aus Sympathie mit dem inzwischen verstorbenen Jack oder hat dieser recht düstere Weg etwas, was den Hunden nicht gefiel? Wie dem auch sei, unser neuer Mitbewohner Chico, ein junger Chihuahua Rüde, kennt scheinbar keine Angst und lief, wie übrigens auch Mini, ganz munter und vergnügt den hügeligen und unebenen Weg nach oben.
Je höher wir kamen, desto weniger wurden die Bäume und der Weg wurde heller. Am Wegesrand hatten sich Farne und Brombeerhecken ausgebreitet. Keine Menschenseele war zu sehen. Es war angenehm still. Man hörte nur das Zwitschern eines Vogels, den ich aber in dem vielen grünen Geäst nicht sehen konnte, und das vertraute Meckern von Schafen in einiger Entfernung, die ich ebenfalls nicht ausmachen konnte.
Oben endlich angekommen, bot sich wieder einmal ein fantastisches Bild, das ich gar nicht mit Worten zu beschreiben vermag. 

Trotz der herrlichen Aussicht wirkte die Gegend allerdings etwas gespenstig. Auf einem der alten verfallenen Türme saß ein Vogel, der sich, als er uns sah, seine Flügel schwingend davon machte. Rechts davon war ein großer kahler Platz auf dem dicke Steinbrocken herumlagen, so als ob sie einst von Riesen dahin geworfen worden waren. So unberührt wie die Natur hier oben war bzw. ist, kann man der Fantasie freien Lauf lassen. Wer weiß, vielleicht feiert ja das „kleine Volk“, wie Feen und andere Naturwesen auch hier genannt werden, dort nachts seine Feste und Rituale.

In einiger Entfernung ist hingegen ein Golfplatz, die es hier in Nordirland überall gibt, und dort sah man ein paar Golfspieler entlang laufen. Das brachte mich dann schnell wieder in die Realität zurück.

Man kann sich gar nicht vorstellen, dass hier einst (seit ca. 1780) eine Mine ware, wo bis Ende des 19. Jh. Blei abgebaut wurde. Damals war dies sogar die größte Mine in ganz Irland. In seinen Bestzeiten waren bis zu 400 Arbeiter dort beschäftigt. Der Lohn für diese Knochenarbeit betrug damals 10 Shilling pro Woche (umgerechnet ca. 70 Cent). Alles, was heute noch an diese einst blühenden Industrie erinnert, sind verfallene Gemäuer, bewachsene Abraumhalden, Tailings (Rückstände von unerwünschtem zerkleinertem Erz) und bedeckte Schächte. Unterirdisch sollen sich noch sechs Meilen an Schächten und Ebenen befinden und noch ca. 1400 – 1600 Tonnen Bleierz, was allerdings zu teuer ist, um es abzubauen.

 

Reste der alten Windmühle, die 1780 gebaut wurde. 
Sie war von der Minengesellschaft zum Korn mahlen übernommen worden


Interessant zu wissen ist vielleicht noch, dass 1910 eine Gruppe deutscher Ingenieure Interesse an der Bleimine bekundeten. Doch es fanden sich keine irischen Investoren und das ganze Unterfangen wurde nach 2 Jahren wieder eingestellt. Während die Deutschen, bis auf einen, zurück nach Deutschland kehrten, um im Ersten Weltkrieg dem Vaterland zu dienen, blieb Paul George Wentzel in Newtonards. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er als Spion verdächtigt, da man Aufzeichnungen von militärischen Gebieten und dergleichen bei ihm fand. Auch wenn er seine Unschuld immer beteuerte, wurde er jedoch nach Ende des Krieges nach Deutschland ausgewiesen.